Mittwoch, 9. November 2016

Zusammenfassung zu angeblicher militärischer Schwäche und Knauserigkeit der Europäer


Zum angeblichen Trittbrettfahren habe ich schon so Einiges auf Defence and Freedom gebloggt. Solche Anschuldigungen und ihre Trump'schen Abarten basieren auf Ignoranz und Arroganz der Amerikaner. Leider sind sie in Sachen Think Tanks und in englischsprachigen Foren derart zahlenmäßig überlegen, dass sich dieses Narrativ durchgesetzt hat. Obendrein bedient das Narrativ auch noch die Eigeninteressen europäischer Militärs und Militärminister, die natürlich immer mehr Geld wollen. Die können nie genug haben (finden sie).

Fakten zum Kalten Krieg:

Westdeutschland stellte während der 70er und 80er 11,5-12 Divisionen von 26 Divisionen, die in Mitteleuropa die NATO schützten. Den amerikanischen POMCUS/REFORGER Verstärkungen stand unser Territorialheer gegenüber. In Italien, Norwegen, Griechenland, Dänemark und Türkei waren die Amis fast überhaupt nicht präsent.
Beteiligung der USA an der Verteidigung der europäischen NATO war unter 'ferner liefen', ganz gleich wie sehr die mit einer Lupe auf ihr "Fulda Gap" starren.  Dass die den hauptsächlichen  Beitrag zur Sicherung des westlichen Europas geleistet hätten ist bloß deren Mythologie.
Vielmehr haben sie den Hauptteil der Dritte Welt Einflußnahmen und Kleinkriege im Kalten Krieg gemacht (und das nicht besonders gut), besonders wenn man die Dekolonialisierungskriege und Anti-Apartheid Kriege nicht mitbetrachtet (und die wurden damals teils durchaus als ein Teil des Konfliktes mit den "Kommunisten" angesehen).

Fakten zu den magischen 2%:

Eine derartige Militärausgabenverpflichtung existiert nicht. Die steht in keinem Vertrag. Es kam schon vor, dass die Verteidigungsminister auf Gipfeln Absichtserklärungen in der Art abgaben, aber die sind nicht gewichtiger als die Meinung meines Taxifahrers. Denn die Budgethoheit haben die Parlamente. Die Minister sind nur zum Ausgeben dessen da, was die Parlamente ihnen zuweisen. Die Minister selbst haben nichts zu melden in Sachen Ausgabenverpflichtungen (es sei denn in Doppelfunktion als Parlamentarier).
Zudem: Island ist seit Langem NATO-Mitglied und hatte noch nie auch nur ein Militär.

Fakten zu Kräfteverhältnis:

Europäische NATO und EU haben jeweils fast doppelt so viele Soldaten wie Russland (meiste russische Paramilitärs mitgezählt). Russland wird noch extremer in Sachen absolute Militärausgaben übertroffen, und zwar auch in Bezug auf kaufkraftkorrigierte Wechselkurse (PPP).
Wenn es Schwächen in der europäischen Abschreckung und Verteidigung gegen Russland gibt, dann sind die großteils auch auf die USA zurückzuführen. Die haben nämlich die Osteuropäer während der GWB Regierung als Pool für Hilfs-Besatzungstruppen betrachtet und entsprechende Fehlentwicklungen in osteuropäischen Militärs (auch in Georgien) motiviert.

Fakten zu Bündnispflichten:

Im Übrigen war jeder einzige Marschflugkörper und jede einzelne Bombe der amerikanischen "cruise missile diplomacy" der 80er, 90er und 2000er Jahre eine grobe Verletzung von Bündnispflichten nach Artikel 1 des Nordatlantikvertrages.
 
Fakten zu Militärausgaben:

In den Worten von Obelix; "Die spinnen, die Amerikaner!". Über 40% der weltweiten Militärausgaben werden in den USA getätigt, und das zählt nicht mal all die versteckten Militärausgaben außerhalb des DoD Budgets mit. Wer ernsthaft denkt, dass derartig exzessives Geldausgeben auch in Europa nötig ist für "Verteidigung", der hat keine Ahnung, was das Wort "Verteidigung" bedeutet. 

Leider gibt es sehr viel ignorantes Nachplappern von amerikanischen Narrativen und Mythen zur europäischen Verteidigung.

1 Kommentar:

  1. Nach vielen Monden schaue ich hier mal wieder rein und sehen die alten Feindbilder weiter gehegt und gepflegt.
    Egal wie viele Haare auf den alten endlos angelutschten Kamellen unten in der Hosentasche angesammelt, die Litanei laeuft weiter. Oede Langeweile der Myopia. So gut schmecken dann auch nicht mehr.

    Viel Spass im Spiegel-Palast !

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